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Zaaltag


01 Juli 2012

Ich bin ja weißgott kein Fußballexperte, aber...

...wenn ich mir so manche Kritik in den letzten Tagen durchlese muss ich das vielleicht auch gar nicht sein, denn ich habe mittlerweile so unglaublich viele "Expertenmeinungen" gelesen, dass ich mal eine handvoll davon etwas unbedarft hinterfragen möchte:

"Die Mannschaft holt (unter Löw) einfach keine Titel".

Ist ja ganz offensichtlich inhaltlich richtig. Aber meine Gegenfrage lautet "Warum sollte sie auch?". Löw hat das Team bei 3 Turnieren trainiert. 2008 verlor man im Finale gegen den Titelträger, 2010 im Halbfinale gegen den Titelträger und 2012 gegen den letzten Weltmeister vor Spanien mit jeweils einem Tor.

Abgesehen von Spanien ist das die beste Bilanz aller europäischen Mannschaften. Und das soll jetzt ein Punkt sein, der GEGEN Löw spricht? Das ist eine relativ interessante Logik.

In den vier Jahren sind drei Titel verteilt worden (zum Zeitpunkt wo ich diesen Beitrag schreibe ist das Finale 2012 noch nicht gespielt). Wenn "Titel seit 2008 nicht holen" darüber entscheidet, ob ein Trainer geeignet ist, haben wir zurzeit bei allen Nationalmannschaften Europas meines Wissens exakt einen, der Löw ersetzen könnte. Und der heißt Vincente Del Bosque und ist grad anderweitig okkupiert, wenn ich mich nicht irre.

Aber selbst wenn wir uns davon lösen: Woher kommt die Idee, dass Deutschland zurzeit irgendwie "reif" für den Titel ist. Spanien dominiert seit 2008 die FIFA Rangliste (mit kurzen Unterbrechungen durch zwei Teams die ebenfalls nicht Deutschland heißen) und auch ansonsten gibt's in der Welt ja noch so das ein oder andere brauchbare Team.

Klar wäre ein Titel schön - aber irgendwie scheint mancher zu glauben, Deutschland sei die krasseste Übermannschaft des Planeten und man müsse schon extrem viel falsch machen, um in 4 Jahren (!) keinen Cup zu holen.

Ach ja: Und eine Randnotiz: Der Logik folgend müsste man sich ja eigentlich Jupp Derwall zurückwünschen, wäre er denn noch unter den Lebenden. Hab ich aber irgendwie noch nirgends gelesen...

"Die Mannschaft gewinnt die wichtigen Spiele nicht"

Ab wann definieren wir eigentlich ein Spiel als wichtig?

Wenn man sich nicht qualifiziert nimmt man nicht am Turnier teil oder sehe ich das falsch? Fragt mal die Holländer nach der WM 2002. Wie sah unsere EM Qualifikationsbilanz aus? Ach ja richtig. Jedes Spiel gewonnen. Ohne Ausnahme. Und keins davon war offenbar "wichtig".

Dann gibt's da so Vorrunden von denen ich bislang dachte, dass sie einen kleinen Einfluss auf den Turnierverlauf haben. Wenn ich mich recht entsinne hat Deutschland von den letzten neun Spielen sieben gewonnen zwei verloren. Und bei den jeweils potenziell entscheidenden dritten Spielen lautet die Bilanz 3-0. Mh. Auch davon war wohl keins "wichtig".

Und in dieser Vorrunde: 3 Siege 0 Niederlagen. Verstehe die Holländer gar nicht, wie die sich als Vizeweltmeister über 0 Siege ärgern. Von den Spielen war doch augenscheinlich ebenfalls keins wichtig.

Die K.O. Runden wenigstens?  Da ist man doch bei einer Niederlage raus! 2008 zwei Siege, eine Niederlage. 2010 zwei Siege, eine Niederlage. Dieses Jahr ein Sieg, eine Niederlage. Bilanz 5:3. Ebenfalls ne positive Bilanz. Aber auch davon war wohl kein Spiel wichtig.

Nebenbei hat die Mannschaft wenn ich mich recht entsinne noch den Weltrekord für die meisten Pflichtspielsiege in Folge aufgestellt. Aber Pflichtspiele - haben wir schon gelernt - sind ja fast nie wichtig.

Egal wie ich es drehe - das einzige, was man Löw vorwerfen kann, ist letztlich dass Deutschland nicht JEDES wichtige Spiel gewonnen hat. Und das ist echt ein lustiger Maßstab wenn man so drüber nachdenkt, weil mir spontan in den letzten vier Jahren auch nur eine Mannschaft in der Welt einfällt, die das hinbekommen hätte...

"Löws Taktik gegen Italien war falsch!"
Naja, zunächst mal war das Ergebnis falsch, da sind wir uns einig.

Ich weiß nicht, wann genau man in Deutschland angefangen hat Italien in Sachen Spielstärke irgendwo zwischen Andorra und Liechtenstein einzuordnen aber das letzte mal als ich sie gesehen habe war im England Spiel wo Italien 36 - in Worten SECHSUNDDREISSIG -Torschüsse abgefeuert (aber nicht getroffen) hat und die Achse Pirlo/Balotelli alleine mehr Gefahr aufs Tor der Engländer gebracht hat als die gesamte englische Mannschaft umgekehrt aufs Tor der Italiener.

Man hätte als Trainer auf die abwegige Idee kommen können, einen Spieler mit defensiven Sonderaufgaben zu betreuen. Zum Beispiel Pirlo auf den Füßen zu stehen. Ach - ist ja passiert. Ach richtig, der hat auch kein Tor vorbereitet. Ach ja - aus den 36 Torschüssen gegen England wurden ganze 11 gegen Deutschland. Und Pirlo war es auch nicht, der die Tore vorbereitet hat.

"Reus hätte spielen müssen und nicht Kroos!"
Italien war bis zum Deutschland-Spiel die Mannschaft war, die im gesamten Turnier von allen Teams die meisten Offensivaktionen hatte (alles im Detail hier  nachzulesen). Umgekehrt hatte Deutschland die meisten Tore geschossen. Daraus folgern wir also, dass Deutschland sich hätte offensiver ausrichten und auf die Sonderbewachung Pirlos verzichten sollen? DIE Kommentare hätte ich gerne gelesen, wenn Reus vorne ackert und Pirlo zwei Hütten vorbereitet. Aber gut - ich bin ja kein Experte.

"Gomez aufzustellen war ein Fehler!"
Immer wieder lustig, wenn jemand sagt, dass es ein Fehler war einen Spieler aufzustellen NACHDEM er eine schlechte Leistung gebracht hat. Leute! Das Foto aus dem Delorean war ein Fake. Trainer können doch gar nicht in die Zukunft schauen.

Die Frage ist: Gab es irgendeinen Grund zur Annahme, Gomez wäre nicht tauglich, um gegen Italien zu spielen. 3 Einsätze von Beginn an. 3 Tore. 26 Tore in der abgelaufenen Liga. Ich kenn mich da ja nicht so aus aber für mich klingt das schon so als ob der auch mal auf den Platz sollte. Jo - er hat kein dolles Spiel gemacht. Hätte man auswechseln müssen! Oh wartet - ist ja passiert.

"Poldi hätte nicht spielen dürfen!"
Ich bin da etwas langsam im Begreifen: Mehr als hundert Spiele für die Nationalmannschaft und einer der Schlüsselspieler der letzten WM zu sein sind wertlos, wenn man 3 mäßige Partien gegen weltweite Top-Mannschaften macht und dann muss der Spieler bitte SOFORT aus dem Kader gestrichen und zum Beispiel durch einen 21-Jährigen Schürrle ersetzt werden, der nahezu keine Internationale Erfahrung hat. So weit richtig?

Und dann hat der auch kein dolles Spiel gemacht. Hätte man auswechseln müssen! Oh wartet - ist ja passiert.

"Schweini hätte nicht spielen dürfen!"
Gut, kann ich verstehen.

Aber so als Laie gesprochen: Irgendwie macht es doch wenig Sinn, sich NACH einem Spiel die schwachen Spieler anzuschauen und zu sagen, "Wenn statt dem und dem der und der gespielt hätte wäre alles anders gelaufen". Denn das war ja nicht die Situation, die der Trainer VOR der Aufstellung hatte. Die Sache mit dem Delorean. Ihr erinnert euch vielleicht...

Was aber viel wichtiger ist: Was genau ist eigentlich schlecht gelaufen. Deutschland hatte mehr Ballbesitz, doppelt so viele Torchancen, 14-0 Ecken und eine Kopfballduellquote von 88-12%. Wo genau ist da eine Taktik komplett nicht aufgegangen? Jetzt mal außer bei den Toren...

Das eine von Cassano vorbei an Hummels und Boateng mit Badstuber der nicht mal zum Kopfball hochsteigt und das zweite wo Lahm das Abseits von Balotelli aufhebt und fünf meter hinterherläuft (der nächste Spieler in der Nähe war Podolski der auf Abseits gespielt hat). Keine Ahnung, wo unsere Innenverteidigung da stand. Ich dachte bisher, dass die halt manchmal bei so Stürmern stehen. Aber ich bin ja kein Experte.

Trotzdem lese ich nirgends, dass es ein Fehler war, Badstuber, Hummels, Boateng oder Lahm aufzustellen. Na gut, da müsste man auch ziemlich doof sein, wenn man sich die Leistungen der Spieler im restlichen Turnier (vor allem Hummels) anschaut oder die Leistung von Boateng gegen CR7, von Lahm über die letzten Jahre gar nicht erst zu reden. Aber nun gut, ich bin ja auch kein Experte...

30 Dezember 2009

Zeit für ein Fazit

Mir ist gerade ausgesucht langweilig und da man ja zurzeit an jeder Ecke einen Jahresrückblick oder irgendwelche Top 10 2009 um die Ohren gefeuert bekommt (ich wollte eigentlich schreiben "ins Gesicht gekotzt bekommt", habe mich aber kurzfristig entschieden, dass diese Ausdrucksweise mir ein wenig zu vulgär ist) an dieser Stelle auch mein Rückblick auf das Jahr 2009.

Es war (ganz) okay.

10 Mai 2009

Dinge, die sonst nur anderen passieren...

Am Samstag haben wir in Gibraltar die Wohnungseinweihung meiner Kollegen Tobias, Robert und Lars gefeiert. Die drei haben eine absolut geile Luxuswohnung direkt am Meer - im zwölften Stock.

Und da in der Wohnung nicht geraucht wird, mussten wir Raucher auf den Balkon. Alles kein Problem.

Jetzt sollte ich erwähnen, dass ich an diesem Abend nur meine EC Karte, Ausweis und Bargeld mit hatte. Alles in der Innentasche meiner Jacke - wo ich auch meine Zigaretten hatte.

Ich stehe also auf dem Balkon im zwölften Stock, Luftlinie 10 meter vom Meer entfernt und nehme meine Zigaretten aus der Innentasche, als ich merke, dass etwas über die Balkonbrüstung nach unten segelt.... mein Perso!

Und während ich noch denke "Fuck, 12 Stockwerke runter und auf dem Boden nach dem Ausweis suchen..." segelt der Richtung Gebäude und landet auf einem Balkon. Und ich habe natürlich nicht den Hauch einer Ahnung in welchem Stockwerk.

Also schnell zu Lars: "Alter, ich hab ein Problem! Mein Ausweis ist runtergefallen!".

Und während Lars sich noch halb totlacht, bietet unsere Kollegin Jessica ihre Hilfe bei der Suche an. 23 Uhr. Wir haben keine Ahnung in welchen Stockwerk das Ding gelandet ist, OB überhaupt Nachbarn zu Hause sind, bzw ob die Wohnungen überhaupt bewohnt sind.

Wir entscheiden uns also erstmal am Boden zu suchen. Nach wenigen Minuten geben wir auf. Viel zu dunkel. Also wieder hoch.

"Auf welchem Stock ist der denn gelandet?", fragt mich Jessica. Aber das war so schwer zu erkennen, dass ich sage "Irgendwas zwischen 8 und 10 schätze ich."

Klingeln also im 8. Stock. Eine verschlafene Frau macht auf. Jessica erklärt ihr die Geschichte, sie geht weg, kommt wieder. Nichts. Fuck!

9. Stock. Wir klingeln, keiner macht auf. Wir klingeln wieder. Nichts...

Ich sage "Der ist nicht direkt unter uns gelandet. Lasst uns 10 und 7 versuchen, und dann war's das mit meinem Ausweis!". Okay.

"Du wirst heute Nacht in Gibraltar bleiben, George!", sagt Jessica. Ich lache, weil die Situation so unglaublich bescheuert ist. Lars sagt, dass das kein Problem wäre, sie haben ein Gästeschlafzimmer.

Wir klingeln im 10. Nichts. Klingeln nochnmal.

Eine Frau öffnet und wir hören (viel zu laut) unsere Musik aus dem 12. Stock. Ihre Kinder schlafen. Sie ist verdammt sickig.

Jessica erklärt ihr die Geschichte. Sie geht zum Balkon... Minuten vergehen. Sie kommt wieder ...und hält meinen Ausweis in der Hand.

"Heute ist dein Glückstag!".

Puuh... Aber so was von... ;)

23 April 2009

Wir ziehen um...

In Zukunft wird hier auf "Zaaltag" nicht mehr so sonderlich viel los sein - was schlicht und ergreifend daran liegt, dass ich stattdessen einfach auf Facebook poste. Gerade Zweizeiler, Videolinks und ähnlicher Kleinkram sind imho besser aufgehoben. Wenn ich mal wieder längere Texte von mir geben will, passiert das allerdings weiterhin hier.

Also: Wer von euch auf FB ist - addet mich doch einfach. ;)

18 März 2009

Die Killerspiele sind schuld!

Wir müssen nicht darüber diskutieren, dass Amokläufe - egal ob von jugendlichen oder Erwachsenen begangen - traurig sind, und dass es richtig ist, alles menschenmögliche zu tun, um sie zu verhindern.

Problematisch wird es nur dann, wenn man sich nicht bemüht, Ursachen und Lösungen zu finden, sondern in erster Linie Sündenböcke.

Und der schein nach dem Amoklauf von Winnenden, wie auch nach dem von Erfurt schnell gefunden. Es sind die Computerspiele. Genauer: Killerspiele.

So äußerte sich Innenminister Wolfgang Schäuble:

der Grund für den Amoklauf in Baden-Württemberg sei "nicht der Waffenbesitz" gewesen.

Das eigentliche Problem seien vielmehr die Gewaltdarstellungen. [...] "Wenn durch Killerspiele solche Mechanismen in jungen Menschen aktiviert werden: Machen wir von unserer Freiheit in Zeiten moderner Medien nicht einen zu exzessiven Gebrauch?"

Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Innenpolitik der CDU/CSUHans-Peter Uhl macht es noch deutlicher:

"Wir brauchen das Herstellungs- und Verbreitungsverbot von Killerspielen. Und zwar nicht vom Alter abhängig, sondern generell"

Wie ihr wisst, habe ich ja lange in der Games-Branche gearbeitet. Und das Thema "Gewalt und Computerspiele" hat mich immer interessiert. Daher habe ich mal ein paar Fakten zusammengetragen, um mit diversen Mythen und Legenden aufzuräumen. Es geht vor allem um "Schul"-Amokläufe und die Täter.

These 1: "Amokläufer haben eine größere Affinität zu Killerspielen als normale Menschen."

Falsch. Zum einen wäre die These, selbst wenn richtig, wertlos - weil Korrelation und Kausalität eben nicht identisch sind (übrigens ein Problem, das viele Studien zu diesem Themenkomplex haben). Zum anderen ist es offenbar falsch.

Etwa 12% der Täter haben ein Interesse an gewaltverherrlichenden Computerspielen. Fast alle Täter sind männliche Jugendliche oder junge Erwachsene.

(Quelle: United States Secret Service und United States Departmend of Education - "THE FINAL REPORT AND FINDINGS OF THE SAFE SCHOOL INITIATIVE"


Eine Ähnliche Studie gibt es vom für durchschnittliche deutsche Jugendliche zwischen 12 und 19:

Alleine 30% der männlichen jugendlichen geben Shooter als Lieblingsgenre an. 64% haben schon Spiele gespielt, für die sie zu jung waren.

(Quelle:
Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest - Jugend, Information, (Multi-)Media)
Nun ist zwar sicherlich richtig, dass Deutschland nicht identisch mit den USA ist, aber zumindest sind die Zielgruppen vergleichbar: Junge/jugendliche Männer. Im Mittel geben in Deutschland alleine 30% aller Jungen Shooter als ihr Lieblingsgenre an, sie haben nicht nur "Interesse daran". Damit sind 12% bei den Tätern nicht viel sondern tendenziell wenig. Schul-Amokläufer haben in der Vergangenheit also eher unterdurchschnittliches Interesse an "Killerspielen" gehabt.

2: "Es gibt immer mehr Morde und Gewalt unter Jugendlichen"

Falsch:
In den zehn Jahren nach Release von "Doom" (1993), ist die Rate der wegen Mordes inhaftierter Jugendlicher um 77 Prozent gesunken.

(Quelle: Karen Sternheimer University of Southern California)

Das gilt übrigens auch für deutsche Schulen und Gewalt im Allgemeinen.

An einzelnen Schulen mag es eine Zunahme geben, insgesamt aber geht die Gewalt zurück.

(Quelle: Süddeutsche Zeitung - Die Gefühlte Gewalt)
Richtig allerdings ist, dass wenngleich die allgemeinen Mord- und Gewaltraten sinken, der "Schauplatz Schule" immer populärer wird:

Während Tötungsdelikte von Jugendlichen sowohl in Deutschland als auch in den Vereinigten Staaten in den letzten 15 Jahren deutlich zurückgegangen sind, hat sich die Zahl der Amokläufe an Schulen weltweit rasant entwickelt und bewegt sich seit dem Jahr 2000 auf hohem Niveau.

(Quelle: Bild der Wissenschaft)


3: "Spiele sind schlimmer als Filme, weil man schließlich aktiv spielt und nicht passiv kosumiert."

Falsch:

Das British Board of Film Classification (BBFC)[...] widmete sich in einer qualitativen Studie der Frage, wer Videospiele spielt, welchen Einfluss sie haben, [...] Dabei stellte sich heraus, dass Spiele anscheinend weniger emotional fesseln als Filme oder Fernsehsendungen.

Die Tatsache allein, dass sie mit dem Spiel interagieren müssen, scheint sie fester in der Realität zu verankern."


(Quelle: British Board of Film Classification)



4: "Äh, ja aber bei Kinderin ist das doch sicher anders!"

Falsch:

Darüber hinaus wurde als Resultat einer eigenen Studie angeführt, dass besonders Kinder von 12 bis 14 Jahren Videospiele und deren Charaktere nicht als Individuen und das Spiel nicht als Abbild der Wirklichkeit wahrnehmen.

(Quelle: Dr. Cheryl K. Olson und Lawrence Kutner, psychiatrische Fakultät Harvard Medical School - Grand Theft Childhood)


5: Computerspiele fördern soziale Isolation

Falsch.
Das Wiener Institut für Jugendkultur veröffentlichte im März eine Studie zum Alltag jugendlicher Computerspieler und kam darin zum Ergebnis, dass selbst die eifrigsten Spieler einen durchaus intakten Freundeskreis und ganz normale, reale Sozialkontakte aufweisen: „Das gängige Klischee von sozial vereinsamten Computer-Kids findet in der empirischen Realität keine Entsprechung“, heißt es in dem Bericht. Zudem sind Computerspiele beileibe keine einsame Angelegenheit: Fast 40 Prozent der befragten Jugendlichen gaben an, gemeinsam mit Freunden zu spielen, 30 Prozent mit Online-Partnern.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen die Wiener Medienwissenschafterinnen Gerit Götzenbrucker und Margarita Köhl, die eine Gruppe von Online-Rollenspielern über zehn Jahre hinweg begleitet haben. Dabei stellten sie unter anderem fest, dass die Kontakte, die in der virtuellen Welt geknüpft werden, reale Beziehungen keineswegs ersetzen, sondern – im Gegenteil – erweitern und bereichern.

(Quelle: Profil Online)

Unseren Ergebnissen zufolge besitzen Kinder, die keinen Kontakt zu Videospielen haben, mehr Probleme in der Schule oder im Elternhaus. Nicht dass Games per se glücklich machen - aber da die meisten Titel gemeinsam gespielt werden, ist ein Nichtspielen heutzutage ein Zeichen von fehlender Sozialkompetenz.

(Quelle: Cheryl K. Olson, Harvard University - The Surprising Truth About Violent Videogames)
6. Aber dann machen Killerspiele doch wenigstens dumm, oder?

Falsch.

Wie vielfältig sich die Förderpotenziale handelsüblicher Co­mputerspiele gestalten, bewies auch eine Studie des Münchener Instituts für Medienpädagogik JFF: Insgesamt 30 populäre Computerspiele wurden dabei auf ihr kompetenzförderndes Potenzial getestet: moralische Urteilsfähigkeit, Wahrnehmung und Aufmerksamkeit, sensomotorische Koordination, analytisches und kreatives Denken, emotionale Selbstkontrolle und kritische Selbstreflexion. Jeder dieser Bereiche wurde von zumindest einem der getesteten Spiele abgedeckt, wobei bemerkenswert viele Spiele gleich mehrere Kompetenzen förderten (darunter übrigens auch das gemeinhin als „Killerspiel“ verpönte „Counter-Strike“)

(Quelle)
7. Die US-Armee nutzt Killerspiele seit Jahren, um Soldaten das Töten beizubringen (alternativ: Die Hemmschwelle beim Töten zu senken)

Falsch wiedergegeben.

Zunächst
einmal ist es absolut richtig, dass die (nicht nur die US)-Armee mit allem möglichen experimentiert, wenn man sich davon Verbesserungen jedweder Art verspricht. Drogen gehörten übrigens auch dazu und natürlich jede Menge Technik, Tiere - kurzum so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann.

Dass realistischer werdendere Computerspiele natürlich reizvoll wären, weil man mit ihnen (im Idealfall) zigtausende Dollar für aufwendige Manöver, Spezialtrainings, etc. sparen könnte macht es nur logisch, dass man das Ganze testet.

Und in der Tat gab es schon "zivile" Spiele (im Gegensatz zu militärischen Simulationen), mit denen Soldaten trainiert haben.

"So verwendeten die US-Marines eine abgewandelte Doom-Version zu Übungszwecken, jedoch diente diese Version nicht [...] für Zielübungen und zur Desensibilisierung der Rekruten, sondern zur Einübung von Gruppentaktiken und zum Vertraut werden mit unbekanntem Gelände, das im Spiel nachgebaut wurde."
Der Beweggrund, Spiele zu nutzen ist dabei nicht einmal der, dass die so dolle simulieren, sondern dass viele der Soldaten Videospiele einfach aus ihrer zivilen Vergangenheit kennen:

"Die 19- und 20-Jährigen in der Army sind wie 19- und 20-Jährige überall auf der Welt: Sie spielen die ganze Zeit Videospiele. Die Idee ist also, die bisher verwendeten, eher statischen und langweiligen Militärsimulationen zu ersetzen und die Begeisterung für Computerspiele auszunutzen, um die gewünschten Ausbildungsinhalte zu vermitteln."

Und auch Schießübungen macht man nunmal nicht mit der Maus und dem Keyboard:

"Als Beispiel nennt er den so genannten "Multipurpose Arcade Combat Simulator",[...]. Dabei zielen Rekruten mit einem nachgebauten M16-Gewehr auf einen Bildschirm und müssen wie auf einer Schießbahn auf Ziele feuern."

Nochmal deutlich: Geübt wird mit einem Gewehrnachbau - nur dass die Zielscheibe keine Pappscheibe sondern ein Computerbild ist. Aber reicht denn wenigstens dieses Setup (auch wenn es kein Counter-Strike Spieler zu hause hat?), um schießen zu lernen? Klare Antwort: Nein.

Das Schießen mit scharfer Munition ("live fire") könne der Simulator ausdrücklich nicht ersetzen, heißt es in dem Papier, genausowenig wie einen ausgebildeten Lehrer.

Aber wenigstens desensibilisiert werden sie doch, oder? Im Gegenteil, denn das Militär verwendet hauptsächlich Simulationen, zu denen Zivilisten nicht einmal Zugang haben:

"Mit Unterhaltungssoftware haben sie kaum etwas zu tun; ihr Ziel ist die nüchterne Abbildung realistischer Situationen. Eine besonders brutale Gewaltdarstellung wird dabei sogar als störend betrachtet, da das die Motivation der Soldaten mindern könnte. Vielmehr versucht Militärsoftware, auch zu Propaganda-Zwecken, den Krieg so sauber und kalkulierbar wie möglich darzustellen."
Colonel Jack Millar, Leiter der eigens dafür gegründeten Abteilung Training and Doctrine Command Project Office of Gaming sagt übrigens über die handelsüblichen Computerspiele:

"Ich habe bisher kein für die Unterhaltungsindustrie entwickeltes Spiel gesehen, das eine Trainingslücke [bei der Armee] schließen würde."

Auch bei der Bundeswehr derselbe Tenor auf die Frage, ob man mit einem Ego-Shooter schießen lernen kann, so ein ehemaliges Mitglied der Bundeswehr-Spezialeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK):

"Niemals werden Simulationen das Live-Schießen ersetzen können. Aber sie können es ergänzen." Deshalb sei er auch in einem so genannten Schießhaus ausgebildet worden, wo sie zwar mit Hilfe von auf Leinwände projizierten Filmen Szenen nachspielten, aber ausschließlich mit echten Waffen schossen. Und auch hier sei es nicht nur ums Zielen gegangen, sondern auch um Handlungsabläufe vor dem Schusswechsel, wie das Ansprechen eines Gegners oder das Reagieren auf sich schnell ändernde Situationen.
(Alle Zitate aus diesem Abschnitt stammen aus einem Bericht der Gamestar 04/2008)

Um es noch einmal zusammenzufassen: Die US-Armee benutzt Egoshooter nicht zum desensibilisieren und nicht zum lernen des Umgangs mit Waffen - mehr noch: Alle gefragten Experten bescheinigen Spielen die Unfähigkeit, auf diesem Gebiet hilfreich zu sein.

8. Computerspiele machen aggressiver und gewaltbereiter:

Nicht belegt.

Der Fairness halber sei gesagt, dass es die unterschiedlichsten Studien mit den unterschiedlichsten Ergebnissen gibt. Angefangen von der Katharsis-Theorie, nach der das ausleben Virtueller Gewalt zur Reduktion realer Gewalt führt, über Studien, die Zusammenhänge belegen bis hin zu Studien, die keine Zusammenhänge nachweisen können.

Zu den wenigen neueren Studien, die den Gewaltzusammenhang nachweisen zählt eine der Universität Potsdam in der es heißt es allerdings recht vorsichtig:

"Wir können mit dieser Art von Methoden zeigen, dass aggressive Gedankeninhalte nach dem Spielen eher verfügbar sind“, erklärt Möller. „Und es gibt psychologische Modelle, die sagen, wenn diese Gedankeninhalte verfügbar sind, dann reagieren die Betroffenen zum Beispiel schneller aggressiv auf eine Provokation oder Frustration.“

Diese Daten lassen sich zwar auch so interpretieren, dass Spieler mit geringer Empathie-Fähigkeit zu brutalen Spielen neigen. Aber vor dem Hintergrund der Potsdamer Langzeitstudie gewinnt der Verdacht an Gewicht, das auch der umgekehrte Zusammenhang tatsächlich existiert.

„Damit haben wir einen ersten Anhaltspunkt, dass wirklich eine Wirkung vom Medium auf die Persönlichkeit ausgeht“, sagt Möller, die vor allem aufgrund der relativ kleinen Zahl der Versuchspersonen vorsichtig bleibt."

(Quelle: Studie der Universität Potsdam)
Oder auch:

Laut der Studie bleibt der Konsum von Horror- und Gewaltfilmen in der Kindheit und der Pubertät nicht ohne Auswirkungen: So sei die Bereitschaft der Jugendlichen, selbst Gewalt anzuwenden, "über die Jahre mit zunehmendem Konsum von medialer Gewalt" angestiegen, schreiben die Wissenschaftler. Besonders groß sei dabei die Gefahr, die von gewalttätigen Computerspielen ausgehe.

(Quelle: Studie der Universität Tübingen)
Problem an den meisten dieser Studien: Man bekommt die Korrelationen nicht heraus - oder einfach gesagt (und das wird zumindest in der ersten Studie auch noch explizit angeführt: gewaltbereite Menschen beschaffen sich eher auch gewalt beinhaltende Filme und Spiele - wenngleich das wiederum s.o. für "Schul-Amokläufer" als Teilgruppe nicht zutrifft.).

Und auch der Schluss, dass bei ihnen im Laufe von 2 Jahren eine höhere Gewaltbereitschaft zu sehen ist, erlaubt leider nicht den Schluss, denn (leider Gottes) korrelieren schlichtweg Alter und Verbrechensquote extrem:

Hier die Anzahl, der generell wegen Verbrechen verhafteter Tatverdächtiger:

6 bis unter 8 3.992
8 bis unter 10 10.487
10 bis unter 12 23.889
12 bis unter 14 62.594
14 bis unter 16 126 197
16 bis unter 18 151 250
(Quelle: Bundeskriminalamt - Polizeiliche Kriminalstatistik 2007)


(Etwa 25% der Straftaten von sind Körperverletzung oder schwere Körperverletzung. Die altersbedingte Steigerung bei Gewaltverbrechen macht übrigens noch wesentlich krassere Sprünge, allerdings gibt es dazu keine Aufschlüsselung nach einzelnen Altersabschnitten sondern nur die Unterscheidung zwischen Kindern und Jugendlichen)

Bei Studie 1 waren die Probanden in Phase 1 12-14 Jahre alt und in Phase 2 14-16 Jahre alt. Alleine Altersbedingt wäre eine höhere Gewalt/- oder Verbrechensbereitschaft also alles andere als unwahrscheinlich.

Eine überdurchschnittlich gesteigerte Gewaltbereitschaft verglichen mit der "nichtspielenden" Kontrollgruppe wäre also das einzige, was man aus dem Experiment ziehen kann - nur blieben da meinerseits 2 Fragen: a) Wie möchte ich aus so kleinen Teilgruppen einer 200 Mann kleinen Gesamtgruppe eine Signifikanz herauslesen und b) ist eine größere Steigerungsrate der ohnehin Gewaltbereiten jugendlichen gegenüber den friedlichen nicht einfach nur logisch?

Viele andere Studien zum Thema lasse ich deshalb außen vor, weil sie sich nicht mit dem eigentlichen Thema beschäftigen sondern sich etwa mit "kurzfristiger emotionaler Erregung" oder "Kooperationsbereitschaft" in Zusammenhang mit Spielen beschäftigen.

Zur "Gewaltspiele steigern die Gewaltbereitschaft nicht"-These gibt es unter anderem folgende Aussagen:
Jonathan Freedman vom Department of Psychology der Toronto University untersuchte schon vor mehreren Jahren alle in englischer Sprache veröffentlichten Studien über Gewalt und Medien. Seine damalige Schlussfolgerung: Die Mehrheit der Studien arbeitet mit Belegen, die widersprüchlich waren oder sogar der Behauptung widersprachen, dass reale Gewalt durch Gewaltdarstellungen in Medien verursacht werde. (Quelle)

Wir haben Argumente für kurzzeitige Effekte von gewalttätigen Spielen - etwa die gleichen, die ein Horrorfilm auch hat, nämlich eine erhöhte physiologische Erregung. Genau dieser Effekt wird ja mit Film und Spiel auch angestrebt. Eine langfristige Wirkung, gar eine Steigerung der Gewaltbereitschaft hat aber noch nie jemand empirisch nachgewiesen“
(Jörg Müller-Lietzkow, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Jena)

"Wir haben festgestellt, dass gewalttätige Computerspiele die Kinder nicht aggressiver machen, sondern dass aggressive Kinder zu gewalttätigen Computerspielen tendieren"
(Caroline Oppl, Freie Universität Berlin)

Conclusions Results from the current analysis did not support the conclusion that violent video game playing leads to aggressive behavior. However, violent video game playing was associated with higher visuospatial cognition. It may be advisable to reframe the violent video game debate in reference to potential costs and benefits of this medium.
(Christopher John Ferguson Department of Behavioral, Applied Sciences and Criminal Justice, Texas A&M International University - The Good, The Bad and the Ugly: A Meta-analytic Review of Positive and Negative Effects of Violent Video Games)

A review of the literature on violent video games reveals a field with strong publication biases. Once these are controlled for, the only effect that remains is positive: a slight improvement in visuospatial capabilities.
(Quelle)
Fassen wir es zusammen: Ja, die These existiert. Empirisch belegt ist sie nicht.



Fazit: Vieles von dem, was momentan in diversen Medien als Fakten propagiert wird, ist weit davon entfernt, Fakt zu sein. Danke für Eure Aufmerksamkeit bei diesem doch sehr langen Text. Bitte zögert nicht, mich zu kontaktieren, was weitere Quellen oder Korrekturen betrifft.

Ich musste lachen... ;)

10 März 2009

Mettbrötchen in Afghanistan

Ursprünglich wollte ich in diesem Thread ein Video posten, wo der Torwart meines Lieblingsvereins Fortuna Düsseldorf ein Eigentor erzielt. Und: Ja, liebe Klugscheißer: Der Torwart erzielt nicht wirklich ein Eigentor, aber wenn ich schreibe "Wo ein Gegenspieler von Fortuna Düsseldorf ein Tor erzielt:" Ist das inhaltlich zwar richtig, aber jetzt nicht so die Pulitzer-Schlagzeile.

Genau genommen wollte ich noch in einem Nebensatz damit prahlen, dass ich das Spiel am Samstag in der Sportschau gesehen habe, nachdem ich mir auf der Terasse am Nachmittag einen Sonnenbrand zugezogen habe, als ich dort im Liegestuhl saß. (Was übrigens total bescheuert ist, wenn man mal darüber nachdenkt, dass ich euch damit neidisch machen möchte, dass mein Kopf knallrot ist und sich meine Kopfhaut abschält, nur damit ihr die Transferleistung erbringt "Hey, in Spanien ist es jetzt gerade so heiß und sonnig, dass man sich schon einen Sonnenbrand" holt, wenn ihr euch nicht zu Recht denkt "Haha, der Trottel, geschieht ihm Recht und seine bekackten "Hier-ist-so-tolles-Wetter-beneidet-mich-Geschichten" kann er ich sowieso langsam mal dahin schieben, wo die Sonne garantiert auch in Spanien nicht scheint!"

Der Vollstädigkeit halber hier erst einmal das Video.



Doch dann kam alles anders. Es fing damit an, dass ich Fortuna Düsseldorf als Hyperlink hinterlegen wollte. (Wie hier geschehen).

Nicht, dass das notwendig wäre, aber ich muss irgendwie immer darüber lachen, wenn ich im Internet Texte lese, wo jedes noch so belanglose Wort mit einem Hyperlink hinterlegt ist, so dass man sich jedes mal fragt, ob es sich lohnt, den Hyperlink anzuklicken und dabei den Text noch ungefähr so aufmerksam wahrnimmt, wie demenzkranke Alzheimerpatienten auf Valium die Tagesschau.

Also dachte ich mir: Lege ich doch einfach total sinnfreie Links hinter irgendwelche Wörter wie "und" oder "oder", so dass jeder sich fragt, weshalb "und" oder "oder" einen Hyperlink hat, draufklickt und irgendwas völlig beklopptes sieht.

Das funktioniert natürlich nur, wenn ihr tatsächlich auf die Links klicken würdet. Andernfalls wäre dieser debile Spaß, den ich mir ausgedacht habe mal wieder komplett an der Zielgruppe vorbei. (Ich glaube, damit habe ich ein völlig neues Genre erfunden: Interaktive Gags: Gags die ohne Aktion des Publikums per Definition nicht funktionieren können. Dafür möchte ich den Grimme Online Award!)

Aber ich schweife vom Thema ab. Jedenfalls wollte ich das Wort "Torhüter" mit dem Ergebnis der Google Suche "Mettbrötchen in Afghanistan" hinterlegen.

(An dieser Stelle wäre ich fast an der größten Hürde für Interaktive Gags gescheitert: Dem Internet-Explorer, denn mein Interaktiver Gag war zunächst nur Firefox-Kompatibel. Mann!... fast wäre ein neues Comedy-Genre schon vor seinem ersten großen Durchbruch aufgrund von Kompatibilitätsproblemen zum Scheitern verdammt gewesen...)

Jedenfalls dachte ich, dass der Link zur Google-Suche "Mettbrötchen in Afghanistan".*1 An sich schon irgendwie lustig wäre: Doch schaut euch mal den ersten Link an - in der zweiten Zeile steht "Adolf H. Sieg Heil". (Und ein ASCII Hakenkreuz, wusste nicht einmal, dass es so etwas gibt...). Auf welche Assoziationen manche Leute kommen...

P.S: Verdammt, jetzt wollte ich das Wörtchen "Assoziationen" blau schreiben und unterstreichen, damit es wie ein Hyperlink aussieht - und mich dann darüber lustig machen, dass jemand versucht haben könnte, es anzuklicken (Zugegebenermaßen auch suboptimal, das Testpublikum für meinen Interaktiven-Gag gleich beim Pilot-Gag erst wie doof zu überreden, diese bekackte Idee mitzumachen, um sich anschließend nicht zu entblöden, es dafür zu verarschen, dass es das gnädigerweise tut - und dann nicht einmal mitlachen zu können, wenn dem so wäre, weil man es gar nicht mitbekommen würde sondern doof bei dem Gedanken zu grinsen, dass es ja so sein KÖNNTE und damit definitiv mehr Hirnschmalz und Mühe zu verwenden, das Setup für diesen Gag zu schaffen, als die null, ein oder zwei Personen, die tatsächlich auf das Wort geklickt hätten...)

Jedenfalls setzte Bloglines meinem diabolischen Treiben ein Ende: Es gibt keinen Formatierungsbefehl für "unterstrichen".

Jetzt bin ich traurig. :(

*1: Die Suche nach Mettbrötchen in Afghanistan stellt für die Suche nach beknackten Links natürlich eine Win-Win-Win-Win Situation dar. Bei der Verkettung zweier Begriffe ohne ersichtlichen Zusammenhang können nämlich folgende Dinge passieren:

1) Man findet einen Link zu einer Website, die sich tatsächlich beiden Begriffen im Zusammenhang widmet - Win!

2) Man findet einen Link der nur mit einem der beiden Begriffe zu tun hat aber nicht im Geringsten etwas mit dem anderen. Nicht ganz so gut, aber viel Spielraum für Gags. Win!

3) Man findet einen Link, der mit beiden Begriffen nichts zu tun hat und fragt sich, warum zur Hölle man auf diese Seite bei der Suche den eingegebenen Begriffen kommt: Definitiv auch Win!

4) Man findet einen Link, der mit beiden Begriffen nichts zu tun hat, dafür aber mit Pornos, Hitler oder dem Papst. Megawin!

27 Februar 2009

Hier wird nicht gerannt

Um morgens von der Grenze zu unserem Büro zu kommen, nehmen Börries und ich meistens den Bus.

Jetzt haben wir aber das Problem, dass die Haltestelle die erste nach der Grenze ist und der Bus dort ohnehin immer schon wartet.

Ihr kennt das sicherlich: Man sieht Bus oder Bahn schon von 200 Metern Entfernung an der Haltestelle stehen und denkt sich: "Was mach ich nun, renne ich hin oder gehe ich gemütlich?".

Es gibt 3 mögliche Dinge, die passieren können:

1) Man rennt wie doof, gebremst durch Laptoptasche und den 3,50 teuren Starbuck's "Cinnamon Choc Cafè Latte" oder wie die Dinger heißen, die man bekommt, seit das Ding uncool ist, was früher Milchkaffee war die vollen 200 Meter zum Bus.

Dort angekommen macht die Lunge einem unmittelbar klar, dass das heutzutage nicht mehr so einfach geht und während man kurz das Verlangen verspürt, sich zu übergeben und schwarze Flecken im Sichtfeld hat, hämmert man hyperventilierend wie doof auf den "Öffnen-Knopf".

Der Busfahrer seinerseits hat zwei Möglichkeiten: Entweder er schaut schulterzuckend zu einem und schüttelt den Kopf als läge es schlicht und ergreifend nicht in seinem Machtbereich, die Bustür zu öffnen oder aber (wesentlich häufiger der Fall) er schaut so stur und einen bewusst ignorierend nach vorne, als sei man eine Drogenhalluzination, auf die er gerade so gar keinen Bock hat.

Begleitet wird das Ganze dann von mitleidigen Blicken der restlichen Passagiere. Oft übrigens kombiniert damit, dass der Bus wegen eines rangierenden Autos oder einer Ampel ohnehin keine fünf Meter weiter stehen bleiben muss, der Faher aber konsequenterweise trotzdem so tut, als sei er gerade voll konzentriert auf's halten und bekäme nicht mit, dass man immer noch debil-verzweifelt auf den "Öffnen"-Knopf hämmert, weil die Zeit in der es nicht irgendwie peinlich wäre, doch noch einzugestehen dass einen Meter rechts von ihm jemand seit 2 Minuten versucht, sich Zugang zu seinem Fahrzeug zu verschaffen, längst abgelaufen ist.

Variante 2 ist die ZEN-Variante: Man geht langsam und locker in Richtung Bus, als würde man nicht exakt diesen Bus, sondern eine völlig andere Linie erreichen müssen, die an derselben Haltestelle fährt, weil man ohnehin weiß, dass dieser Bus (der gerade zum Abbiegen schon blinkt) sowieso losfahren wird, bevor man bei ihm ankommt und man sich Szenario 1) ersparen möchte.

In diesem Zustand meditativer Versenkung gaukelt einem das Hirn Gleichgültigkeit vor, den Bus zu erreichen. "Dieser Bus... ein anderer Bus... es ist nicht wichtig... atme tief... was ist überhaupt ein Bus? Wer definiert Bus?".

Wenn der Bus tatsächlich zu einem Zeitpunkt abfährt, an dem man ihn selbst rennend nicht mehr hätte erreichen können, erlangt man eine höchst genugtuende Bewusstseinsebene gänzlicher Befriedigung.

Würde es denn tatsächlich mal passieren!

In Wahrheit gibt es nämlich nur die Unterszenarios a) und b).

Bei a) fährt der Bus so knapp vor einem ab, dass man weiß, man hätte ihn bekommen, wäre man von Anfang an gerannt und man ärgert sich über diese ganze verfickte ZEN-Scheiße.

In Szenario b) kommt man dem noch immer stehenden Bus so nahe, dass man in umgekehrter Relation zur Entfernung das wachsende Verlangen verspürt, doch noch wie bekloppt loszurennen.

b.1.) - Man rennt doch noch los und verpasst den Bus - Rest siehe Punkt 1)

und b.2.) Man kommt völlig außer Puste im Bus an, und schnauft dem Fahrer mit der letzten Luft "einmalhelmholtzstraßebitte" entgegen, um sich danach triumphierend auf einem noch freien Viererplatz hinsetzen zu können - und anschließend 17 Minuten zu warten, bis der Bus TATSÄCHLICH abfährt.